Wie Unternehmen auf Störungen vorbereitet sein können – und warum auch professionelle Rechenzentren keine absolute Verfügbarkeit garantieren.
Stellen Sie sich vor, Ihre Mitarbeiter beginnen morgens mit der Arbeit.
Doch die zentrale Geschäftsanwendung lässt sich nicht öffnen.
Die Internetverbindung funktioniert. Andere Online-Dienste sind erreichbar.
Trotzdem können die Mitarbeiter nicht auf die benötigte Anwendung zugreifen.
Die Ursache liegt möglicherweise bei der Cloud-Infrastruktur, auf der das System betrieben wird.
Für die Geschäftsführung stellen sich sofort mehrere Fragen:
Wie lange dauert die Störung?
Wer kümmert sich darum?
Und wie kann das Unternehmen in der Zwischenzeit weiterarbeiten?
Ein Cloud-Ausfall ist kein Ereignis, das ein Unternehmen einfach hinnehmen sollte. Er ist aber ein mögliches Betriebsszenario, auf das es sich vorbereiten muss.
Kann eine professionelle Cloud überhaupt ausfallen?
Ja.
Auch professionell betriebene Rechenzentren und Cloud-Plattformen können von technischen Störungen betroffen sein.
Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
Fehler an Hardware oder Infrastrukturkomponenten
Probleme mit Netzwerkverbindungen innerhalb der Plattform
Störungen bei Speichersystemen
Fehlerhafte Softwareaktualisierungen
Technische oder organisatorische Fehlkonfigurationen
Sicherheitsvorfälle
Professionelle Betreiber können umfangreiche Maßnahmen einsetzen, um solche Ereignisse zu verhindern oder ihre Auswirkungen zu begrenzen.
Dazu gehören je nach gebuchter Leistung beispielsweise redundante Komponenten, Überwachung und geregelte Störungsprozesse.
Diese Maßnahmen können die Verfügbarkeit verbessern.
Sie schließen Ausfälle jedoch nicht vollständig aus.
Auch eine hochwertige Cloud-Infrastruktur bietet keine Garantie, dass jede Anwendung jederzeit erreichbar ist.
Was bedeutet ein Cloud-Ausfall für Ihr Unternehmen?
Die Auswirkungen hängen davon ab, welche Systeme betroffen sind.
Wenn eine selten genutzte Anwendung vorübergehend nicht verfügbar ist, kann der Geschäftsbetrieb möglicherweise weitgehend fortgesetzt werden.
Anders sieht es aus, wenn die zentrale Warenwirtschaft, Auftragsbearbeitung oder eine wichtige Datenbank ausfällt.
Dann können Mitarbeiter ihre Aufgaben möglicherweise nicht wie gewohnt erledigen.
Aufträge verzögern sich.
Kundenanfragen müssen zurückgestellt werden.
Oder bestimmte betriebliche Abläufe kommen vorübergehend zum Stillstand.
Deshalb sollte die Planung nicht mit der Frage beginnen, wie viele Minuten Ausfallzeit ein Anbieter statistisch erreicht.
Wichtiger ist zunächst:
Welche Folgen hätte es für Ihr Unternehmen, wenn eine bestimmte Anwendung für eine Stunde, einen halben Tag oder länger nicht verfügbar wäre?
Erst aus dieser Betrachtung ergeben sich sinnvolle Anforderungen an Verfügbarkeit und Wiederherstellung.
Was passiert technisch, wenn die Cloud gestört ist?
Nicht jede Störung betrifft eine gesamte Cloud-Plattform.
Manchmal fällt lediglich ein einzelnes System aus.
In anderen Fällen ist eine gemeinsam genutzte Infrastrukturkomponente betroffen.
Auch Anwendungen können gestört sein, obwohl die zugrunde liegende Cloud-Infrastruktur ordnungsgemäß funktioniert.
Deshalb muss zunächst festgestellt werden, wo die Ursache liegt.
Dabei sind verschiedene Situationen denkbar.
Eine einzelne virtuelle Serverumgebung ist gestört
Die Störung kann beispielsweise durch ein Problem innerhalb des Betriebssystems oder der Anwendung verursacht werden.
In diesem Fall sind möglicherweise Maßnahmen an genau diesem System erforderlich.
Eine Infrastrukturkomponente fällt aus
Je nach technischer Architektur können vorhandene Redundanzen helfen, den Betrieb aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen.
Ob das automatisch geschieht und welche Unterbrechungen dabei auftreten können, hängt von der gebuchten Lösung ab.
Eine größere Störung betrifft mehrere Systeme
In diesem Fall können umfangreichere Maßnahmen erforderlich werden.
Die Wiederherstellung kann entsprechend länger dauern.
Der Begriff „Cloud-Ausfall“ beschreibt also kein einheitliches Ereignis. Entscheidend sind Ursache, Umfang und die vorhandenen Wiederherstellungsmöglichkeiten.
Wer kümmert sich bei einem Ausfall um die Wiederherstellung?
Das hängt davon ab, welche Leistungen vereinbart wurden.
Der Cloud-Infrastrukturbetreiber ist für die vertraglich übernommenen Aufgaben seiner Plattform verantwortlich.
Dazu können die Bereitstellung der Infrastruktur und die Bearbeitung entsprechender technischer Störungen gehören.
Andere Aufgaben liegen möglicherweise beim betreuenden IT-Dienstleister.
Beispielsweise kann es notwendig sein, das Betriebssystem, eine Anwendung oder die Verbindung zwischen verschiedenen Systemen zu überprüfen.
Auch der Softwarehersteller kann beteiligt sein.
Für Unternehmen ist deshalb wichtig, dass die Verantwortlichkeiten bereits vor einer Störung geklärt sind.
Es sollte feststehen, wer die Störung entgegennimmt, wer die Ursache untersucht und wer die notwendigen Maßnahmen koordiniert.
Im Ernstfall sollte die Geschäftsführung nicht erst herausfinden müssen, welcher Dienstleister für welchen Teil der IT verantwortlich ist.
Wie schnell muss eine Anwendung wieder funktionieren?
Nicht jede Anwendung benötigt dieselbe Verfügbarkeit.
Für manche Systeme kann eine längere Unterbrechung vertretbar sein.
Andere Anwendungen sind für den Geschäftsbetrieb so wichtig, dass bereits kurze Ausfälle erhebliche Auswirkungen haben.
Deshalb sollten Unternehmen zwei Fragen beantworten.
Innerhalb welcher Zeit muss eine wichtige Anwendung spätestens wiederhergestellt sein?
Diese Frage beschreibt die betriebliche Anforderung an die Wiederherstellungszeit.
Auf welchen Datenstand muss eine Anwendung im Wiederherstellungsfall mindestens zurückgesetzt werden können?
Diese Frage ist relevant, wenn Daten aus einer Sicherung wiederhergestellt werden müssen.
In der IT werden dafür häufig die Begriffe Recovery Time Objective (RTO) und Recovery Point Objective (RPO) verwendet.
Für die Geschäftsführung sind jedoch zunächst nicht die Fachbegriffe entscheidend.
Wichtig ist, dass die Anforderungen aus den tatsächlichen Geschäftsprozessen abgeleitet werden.
RTO und RPO sind Planungsziele. Ob daraus verbindliche Leistungszusagen entstehen, hängt von der konkreten Vereinbarung und der technischen Umsetzung ab.
Wer seine Anforderungen an die Wiederherstellung kennt, kann geeignete technische und organisatorische Maßnahmen auswählen.
Bedeutet eine hohe Verfügbarkeitszusage, dass es keine Ausfälle gibt?
Nein.
Cloud-Anbieter können für bestimmte Leistungen eine vertragliche Verfügbarkeit vereinbaren.
Solche Zusagen werden häufig als Service Level Agreement, kurz SLA, bezeichnet.
Allerdings muss genau geprüft werden, worauf sich die Vereinbarung bezieht.
Möglicherweise gilt sie für die Infrastruktur, nicht aber für die darauf betriebene Geschäftsanwendung.
Auch Messzeitraum, Wartungsfenster, Ausnahmen und mögliche Ansprüche bei Nichterfüllung sind relevant.
Auch eine hohe prozentuale Verfügbarkeitszusage schließt längere zusammenhängende Störungen nicht aus. Zudem kann ein SLA für die Infrastruktur gelten, während die Anwendung aus anderen Gründen nicht erreichbar ist.
Eine SLA-Zusage ist eine wichtige vertragliche Grundlage. Sie ersetzt aber keine eigene Planung für den Umgang mit Ausfällen.
Hilft eine Datensicherung bei jedem Cloud-Ausfall?
Nicht unbedingt.
Eine Datensicherung dient in erster Linie dazu, Daten oder Systeme nach bestimmten Ereignissen wiederherstellen zu können.
Wenn beispielsweise Daten versehentlich gelöscht oder beschädigt werden, kann eine geeignete Sicherung entscheidend sein.
Bei einer vorübergehenden Störung der Cloud-Infrastruktur ist eine Wiederherstellung aus dem Backup dagegen nicht zwangsläufig erforderlich oder sinnvoll. Ein Backup ermöglicht zudem nicht automatisch den sofortigen Betrieb auf einer anderen Plattform.
Möglicherweise kann der reguläre Betrieb nach Behebung der Infrastrukturstörung fortgesetzt werden.
Anders kann es aussehen, wenn Systeme oder Daten tatsächlich wiederhergestellt werden müssen.
Dann sind die vorhandenen Sicherungen und Wiederherstellungsverfahren wichtig.
Datensicherung und hohe Verfügbarkeit erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Ein Backup allein ist keine Garantie für einen unterbrechungsfreien Betrieb.
Ein Beispiel: Wenn die zentrale Anwendung nicht erreichbar ist
Stellen wir uns ein Handelsunternehmen mit 40 Mitarbeitern vor.
Die Warenwirtschaft wird in einer Cloud-Umgebung betrieben.
Eines Vormittags ist die Anwendung plötzlich nicht mehr erreichbar.
Die Internetverbindung des Unternehmens funktioniert.
Nach der ersten Prüfung zeigt sich, dass eine technische Störung der bereitgestellten Infrastruktur vorliegt.
Nun kommt es darauf an, welche Vorkehrungen getroffen wurden.
Wurde die Bedeutung der Warenwirtschaft für den Geschäftsbetrieb vorab bewertet?
Ist klar, wer die Störung bearbeitet und die Kommunikation übernimmt?
Gibt es abgestimmte Abläufe für die Auftragsannahme, solange die Anwendung nicht verfügbar ist?
Und ist festgelegt, unter welchen Voraussetzungen eine Wiederherstellung aus einer Sicherung notwendig wäre?
Ein Unternehmen, das diese Fragen bereits beantwortet und seine Abläufe erprobt hat, kann im Störungsfall geordneter reagieren.
Die Störung selbst wird dadurch nicht verhindert.
Aber die Auswirkungen lassen sich möglicherweise begrenzen.
Eine gute Vorbereitung macht einen Ausfall nicht unmöglich. Sie verhindert jedoch, dass zur technischen Störung zusätzlich organisatorische Unsicherheit entsteht.
Dieses Beispiel dient der Veranschaulichung und beschreibt kein konkretes Kundenprojekt.
Wäre ein eigener Server bei einem Ausfall besser?
Nicht automatisch.
Auch eigene Server können ausfallen.
Ein Hardwaredefekt, ein Fehler im Betriebssystem oder eine Störung der Stromversorgung kann wichtige Anwendungen beeinträchtigen.
Der Unterschied liegt vor allem darin, wo die Infrastruktur betrieben wird und welche Maßnahmen für ihren Schutz und ihre Wiederherstellung vorhanden sind.
Ein Unternehmen kann eigene Server mit umfangreicher Redundanz und geeigneten Wiederherstellungsverfahren betreiben.
Ebenso kann eine Cloud-Lösung mit unterschiedlichen Verfügbarkeits- und Wiederherstellungsleistungen ausgestattet werden.
Beides verursacht Aufwand und Kosten.
Entscheidend ist deshalb nicht, ob die Hardware im eigenen Gebäude oder im Rechenzentrum steht. Entscheidend ist, wie die benötigte Verfügbarkeit tatsächlich erreicht werden soll.
Welche Vorsorgemaßnahmen sind sinnvoll?
Nicht jedes Unternehmen benötigt eine besonders aufwendige Ausfallsicherheitsarchitektur.
Die Maßnahmen sollten sich an den Geschäftsprozessen orientieren.
Dazu können gehören:
Bewertung der wichtigsten Anwendungen und ihrer Ausfallfolgen
Klare Zuständigkeiten für Störungen und Wiederherstellung
Geeignete Datensicherungs- und Wiederherstellungsverfahren
Prüfung zusätzlicher Verfügbarkeitsmaßnahmen für besonders wichtige Systeme
Regelmäßige Überprüfung der vereinbarten Leistungen
Organisatorische Abläufe für den vorübergehenden Weiterbetrieb
Verständliche Kommunikation im Störungsfall
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von den tatsächlichen Anforderungen ab.
Eine besonders aufwendige Lösung kann für ein kleines Unternehmen unverhältnismäßig sein.
Umgekehrt kann eine einfache Standardumgebung für einen Betrieb mit sehr hohen Verfügbarkeitsanforderungen unzureichend sein.
Die passende Absicherung ist nicht die technisch umfangreichste, sondern diejenige, die das betriebliche Risiko angemessen berücksichtigt.
Was sollte vor der Entscheidung für eine Cloud-Lösung geklärt werden?
Bevor wichtige Anwendungen in die Cloud verlagert werden, sollten Unternehmen nachvollziehbare Antworten auf einige Fragen erhalten.
Welche Verfügbarkeit ist für die konkrete Infrastruktur vereinbart?
Welche zusätzlichen Maßnahmen wären für besonders wichtige Anwendungen erforderlich?
Wer ist bei einer Störung der erste Ansprechpartner?
Wer übernimmt welche Aufgaben bei der Wiederherstellung und wie wird der Ablauf getestet?
Wie werden Daten gesichert und bei Bedarf wiederhergestellt?
Welche Einschränkungen und Ausnahmen enthalten die vertraglichen Zusagen?
Dabei sollte auch betrachtet werden, ob ein zeitweiser Weiterbetrieb mit alternativen Arbeitsabläufen möglich ist.
Denn selbst bei guter technischer Absicherung bleibt ein Restrisiko.
Wie unterstützt novotec bei der Ausfallvorsorge?
Wir von novotec möchten zunächst verstehen, welche Anwendungen für Ihr Unternehmen besonders wichtig sind.
Anschließend betrachten wir, welche Auswirkungen eine Unterbrechung hätte und welche Anforderungen sich daraus ergeben.
Auf dieser Grundlage können wir geeignete Maßnahmen für Verfügbarkeit, Datensicherung und Wiederherstellung planen.
Für passende Cloud-Infrastruktur setzen wir auf Terra Cloud der WORTMANN-Gruppe.
Dabei prüfen wir die für die konkrete Lösung verfügbaren Leistungen und die vertraglichen Rahmenbedingungen.
Ebenso wichtig ist für uns, dass die Zuständigkeiten zwischen Infrastrukturbetreiber, Softwarehersteller und laufender IT-Betreuung geklärt sind.
Unser Ziel ist nicht, Ihnen einen ausfallfreien Betrieb zu versprechen. Unser Ziel ist eine IT, bei der Risiken bewusst bewertet und geeignete Maßnahmen für den Störungsfall vorbereitet werden.
Wie lange könnte Ihr Unternehmen ohne seine wichtigsten Anwendungen arbeiten?
Vielleicht überlegen Sie, eine zentrale Geschäftsanwendung in die Cloud zu verlagern.
Vielleicht möchten Sie wissen, welche Verfügbarkeitsleistungen Sie tatsächlich benötigen.
Oder Sie möchten prüfen, wie gut Ihr Unternehmen heute auf einen größeren IT-Ausfall vorbereitet ist.
Dann lohnt sich eine Betrachtung der wichtigsten Geschäftsprozesse und ihrer Abhängigkeiten.
Weiterführende Informationen finden Sie hier:
[Was passiert, wenn das Internet ausfällt?]
[Sind Unternehmensdaten in der Cloud wirklich sicher?]
[Cloud oder eigener Server: Die Unterschiede für Geschäftsführer]
Mit unserem Cloud-Check erhalten Sie eine erste Orientierung zu wichtigen Entscheidungsfaktoren.
Oder sprechen Sie mit uns über Ihre Anforderungen an Verfügbarkeit und Wiederherstellung.
