Ausfallschutz, Datensicherung und Wiederherstellung: Warum Geschäftsführer diese drei Begriffe unterscheiden sollten, bevor sie über die Sicherheit ihrer Unternehmens-IT entscheiden.
Ein Unternehmen verlagert seine wichtigsten Anwendungen in ein professionelles Rechenzentrum.
Der Anbieter erklärt, dass die Systeme redundant ausgelegt sind. Fällt eine technische Komponente aus, kann eine andere ihre Aufgabe übernehmen.
Für die Geschäftsführung klingt das beruhigend.
Die IT soll schließlich möglichst ohne Unterbrechungen funktionieren.
Doch einige Monate später werden wichtige Daten versehentlich gelöscht. Oder ein Cyberangriff verschlüsselt Dateien. Vielleicht führt auch ein fehlerhaftes Softwareupdate dazu, dass eine Datenbank nicht mehr verwendet werden kann.
Plötzlich zeigt sich:
Obwohl die technische Infrastruktur weiterhin funktioniert, fehlen wichtige Informationen oder Anwendungen sind nicht mehr nutzbar.
Wie kann das sein?
Die Antwort liegt in einem grundlegenden Unterschied:
Hochverfügbarkeit soll den Ausfall von IT-Diensten möglichst verhindern oder begrenzen. Ein Backup soll die Wiederherstellung von Daten ermöglichen.
Beide Aufgaben sind wichtig. Aber sie erfüllen unterschiedliche Zwecke.
Warum Unternehmen drei verschiedene Schutzmaßnahmen benötigen
Wenn Geschäftsführer über die Zuverlässigkeit ihrer IT sprechen, meinen sie häufig mehrere Dinge gleichzeitig.
Die Systeme sollen möglichst nicht ausfallen.
Wichtige Daten sollen nicht verloren gehen.
Und wenn doch etwas passiert, soll das Unternehmen möglichst schnell weiterarbeiten können.
Dahinter stehen drei unterschiedliche Aufgaben:
- Hochverfügbarkeit: Technische Ausfälle möglichst ohne längere Betriebsunterbrechung abfangen.
- Datensicherung: Wiederherstellbare Kopien wichtiger Daten und Systeme bereitstellen.
- Notfallwiederherstellung: Nach einem schwerwiegenden Vorfall die benötigten IT-Dienste und Geschäftsprozesse wieder in Betrieb nehmen.
Eine zuverlässige Unternehmens-IT benötigt nicht zwangsläufig für jedes System dieselbe technische Absicherung.
Aber sie benötigt eine bewusste Entscheidung darüber, welche Schutzmaßnahmen für welche Geschäftsprozesse erforderlich sind.
1. Was bedeutet Hochverfügbarkeit?
Hochverfügbarkeit beschreibt das Ziel, einen IT-Dienst auch dann möglichst weiter betreiben zu können, wenn einzelne technische Komponenten ausfallen.
Dazu können Systeme mehrfach vorhanden sein oder sich gegenseitig absichern.
Beispielsweise kann ein Rechenzentrum mehrere Stromversorgungswege besitzen.
Auch Netzwerkverbindungen, Speichersysteme oder Server können redundant ausgelegt sein.
Fällt eine Komponente aus, kann eine andere ihre Aufgabe übernehmen.
Das kann verhindern, dass ein einzelner Hardwaredefekt unmittelbar zu einem längeren Ausfall führt.
Ein Beispiel aus dem Unternehmensalltag
Ein Handelsunternehmen betreibt seine Warenwirtschaft auf einer entsprechend ausgelegten Serverplattform.
Fällt ein physischer Server aus, kann die virtuelle Serverumgebung unter bestimmten Voraussetzungen auf einer anderen Hardware weiterbetrieben oder neu gestartet werden.
Dadurch lässt sich die Unterbrechung möglicherweise erheblich verkürzen.
Ob dies automatisch, ohne Unterbrechung oder erst nach einer gewissen Zeit geschieht, hängt von der eingesetzten Technik ab.
Der Begriff Hochverfügbarkeit allein sagt deshalb noch nicht aus, wie lange ein System im konkreten Fehlerfall tatsächlich ausfallen kann.
Was Hochverfügbarkeit nicht verhindert
Hochverfügbarkeit schützt nicht automatisch vor allen Ursachen eines IT-Ausfalls.
Wenn eine Anwendung fehlerhafte Daten verarbeitet, kann dieser Fehler auch in einer hochverfügbaren Umgebung auftreten.
Wenn ein Mitarbeiter wichtige Dateien löscht, verhindert eine zweite Serverkomponente diese Löschung nicht zwangsläufig.
Und wenn Schadsoftware Daten verschlüsselt, können auch redundant betriebene Systeme betroffen sein.
Redundanz schützt vor bestimmten technischen Ausfällen. Sie stellt nicht automatisch einen früheren, unbeschädigten Datenstand wieder her.
2. Was bedeutet Redundanz?
Der Begriff Redundanz wird häufig im Zusammenhang mit Rechenzentren verwendet.
Er bedeutet vereinfacht, dass bestimmte Komponenten mehrfach vorhanden sind.
Das können beispielsweise Stromversorgungen, Netzwerkverbindungen, Festplatten oder ganze Server sein.
Redundanz kann die Auswirkungen eines Komponentenausfalls reduzieren.
Allerdings ist sie nicht automatisch gleichbedeutend mit Hochverfügbarkeit.
Damit ein Dienst hochverfügbar betrieben werden kann, müssen die beteiligten Komponenten geeignet zusammenarbeiten.
Auch die Software, die Datenhaltung und die Umschaltung im Fehlerfall spielen eine Rolle.
Warum zwei Server nicht automatisch mehr Sicherheit bedeuten
Stellen wir uns vor, zwei Server verwenden denselben Datenbestand.
Wird dieser Datenbestand durch einen Fehler beschädigt, können beide Server betroffen sein.
Die zusätzliche Hardware hilft dann möglicherweise nicht weiter.
Auch zwei Server, die von derselben Stromversorgung oder demselben zentralen Netzwerksystem abhängig sind, können gemeinsam ausfallen.
Deshalb sollte nicht nur gefragt werden, ob Komponenten doppelt vorhanden sind.
Wichtiger ist, gegen welche konkreten Ausfälle die technische Architektur tatsächlich schützt.
3. Was ist ein Backup?
Ein Backup ist eine Datensicherung.
Dabei werden Daten oder Systeme so gesichert, dass sie nach bestimmten Fehlern oder Verlustereignissen wiederhergestellt werden können.
Das kann beispielsweise nach einer versehentlichen Löschung, einem Hardwaredefekt, einer fehlerhaften Änderung oder einem Cyberangriff erforderlich sein.
Entscheidend ist, dass eine geeignete und nutzbare Sicherung vorhanden ist.
Ein Beispiel
Ein Mitarbeiter löscht versehentlich einen Ordner mit wichtigen Vertragsunterlagen.
Die produktive IT läuft weiterhin störungsfrei.
Auch die Serverhardware funktioniert.
Trotzdem fehlen die Dokumente.
Wenn eine geeignete Datensicherung vorhanden ist, können die benötigten Dateien möglicherweise aus einem früheren Sicherungsstand wiederhergestellt werden.
Ohne eine solche Sicherung kann die Wiederbeschaffung schwierig oder unmöglich sein.
Ein Backup ist mehr als eine zusätzliche Kopie
Nicht jede Kopie von Daten erfüllt automatisch die Anforderungen an eine zuverlässige Datensicherung.
Wenn beispielsweise Dateien zwischen zwei Standorten synchronisiert werden, kann eine versehentliche Löschung ebenfalls übertragen werden.
Auch beschädigte oder verschlüsselte Daten können synchronisiert werden.
Deshalb sollte eine Datensicherung geeignete Wiederherstellungspunkte vorhalten und vor ungewollter Veränderung oder Löschung geschützt sein.
Je nach Anforderungen können getrennte Sicherungsumgebungen, unveränderbare Sicherungen oder weitere Schutzmaßnahmen sinnvoll sein.
Welche Maßnahmen benötigt werden, hängt von der Bedeutung der Daten und den möglichen Risiken ab.
Ein Backup ist nur dann wertvoll, wenn sich die benötigten Daten im Ernstfall tatsächlich wiederherstellen lassen.
4. Warum Datensicherung und Synchronisierung nicht dasselbe sind
Viele Unternehmen verwenden heute Cloud-Dienste, bei denen Dateien automatisch zwischen Geräten und einer zentralen Plattform synchronisiert werden.
Das ist praktisch.
Mitarbeiter können von unterschiedlichen Orten auf aktuelle Dokumente zugreifen.
Allerdings dient Synchronisierung zunächst dazu, Datenbestände auf einem aktuellen Stand zu halten.
Sie ist nicht automatisch eine unabhängige Datensicherung.
Wenn eine Datei gelöscht oder beschädigt wird, kann diese Änderung ebenfalls synchronisiert werden.
Manche Dienste verfügen über Papierkörbe, Versionsverläufe oder Wiederherstellungsfunktionen.
Diese Möglichkeiten können hilfreich sein.
Sie unterscheiden sich jedoch je nach Dienst, Lizenz und Aufbewahrungseinstellung.
Ob sie die Anforderungen eines Unternehmens vollständig erfüllen, muss geprüft werden.
Das gilt beispielsweise auch für Daten in Microsoft 365.
Die Tatsache, dass Daten in einer Cloud-Anwendung gespeichert sind, beantwortet noch nicht die Frage, wie sie nach einem schwerwiegenden Vorfall wiederhergestellt werden können.
5. Was bedeutet Notfallwiederherstellung?
Datensicherung allein reicht nicht immer aus.
Nach einem größeren IT-Vorfall müssen möglicherweise nicht nur Dateien, sondern ganze Systeme wiederhergestellt werden.
Dazu gehören Betriebssysteme, Datenbanken, Anwendungen, Benutzerrechte und technische Verbindungen.
Die organisierte Wiederherstellung nach schwerwiegenden Störungen wird häufig als Disaster Recovery bezeichnet.
Für Geschäftsführer ist der Begriff weniger wichtig als die dahinterstehende Frage:
Wie lange dauert es, bis unsere wichtigsten Geschäftsprozesse nach einem größeren IT-Ausfall wieder funktionieren?
Ein Beispiel
Ein Unternehmen verliert durch einen schwerwiegenden technischen Vorfall seine zentrale Serverumgebung.
Die Daten sind gesichert.
Damit ist jedoch noch nicht automatisch gewährleistet, dass die Mitarbeiter sofort weiterarbeiten können.
Zunächst müssen möglicherweise neue Serverressourcen bereitgestellt werden.
Anschließend werden Betriebssysteme, Anwendungen und Daten wiederhergestellt.
Danach müssen Zugriffe, Schnittstellen und die Funktionsfähigkeit der Anwendungen geprüft werden.
Erst wenn diese Schritte erfolgreich abgeschlossen sind, kann der reguläre Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden.
Die reine Existenz einer Datensicherung sagt deshalb wenig darüber aus, wie schnell ein Unternehmen wieder arbeitsfähig ist.
6. Zwei Werte, die Geschäftsführer kennen sollten: RPO und RTO
In technischen Angeboten begegnen Unternehmen häufig zwei Abkürzungen: RPO und RTO.
Beide beschreiben unterschiedliche Ziele der Wiederherstellung.
RPO: Wie viele Daten dürfen im Ernstfall verloren gehen?
RPO steht für Recovery Point Objective.
Gemeint ist der angestrebte maximale Zeitraum, um den der wiederhergestellte Datenstand hinter dem Zeitpunkt der Störung zurückliegen darf.
Ein Beispiel:
Ein Unternehmen legt fest, dass bei einem schwerwiegenden Ausfall höchstens Datenänderungen aus den letzten vier Stunden verloren gehen dürfen.
Das entspricht einem RPO-Ziel von vier Stunden.
Die Datensicherung und die gesamte technische Lösung müssen so gestaltet sein, dass dieses Ziel für die relevanten Ausfallszenarien erreichbar ist.
Dabei ist wichtig: Ein vereinbarter Zielwert ist nicht automatisch eine Garantie, dass in jeder denkbaren Situation exakt dieser Wert eingehalten wird.
RTO: Wie lange darf die Wiederherstellung dauern?
RTO steht für Recovery Time Objective.
Der Wert beschreibt die angestrebte Zeitspanne, innerhalb der ein System oder Dienst nach einer Störung wiederhergestellt werden soll.
Ein Beispiel:
Ein Unternehmen legt fest, dass seine Warenwirtschaft nach einem schwerwiegenden Vorfall innerhalb von acht Stunden wieder betriebsbereit sein soll.
Das entspricht einem RTO-Ziel von acht Stunden.
Ob dieses Ziel realistisch ist, hängt unter anderem von der technischen Umgebung, dem Umfang der Daten, den verfügbaren Ressourcen und dem Wiederherstellungsverfahren ab.
Der Unterschied auf einen Blick
<escape>| Begriff | Die entscheidende Frage | Beispiel | |---|---|---| | RPO | Wie alt dürfen die wiederhergestellten Daten höchstens sein? | Maximal vier Stunden Datenverlust | | RTO | Wie lange darf die Wiederherstellung dauern? | Wiederanlauf innerhalb von acht Stunden |</escape>
Die genannten Zeitwerte sind frei gewählte Beispiele, keine allgemeinen Standards oder Leistungszusagen.
RPO betrifft den möglichen Datenverlust. RTO betrifft die Dauer bis zur Wiederherstellung.
Beide Werte sollten sich aus den geschäftlichen Anforderungen ergeben und anschließend mit den technischen Möglichkeiten und dem vereinbarten Leistungsumfang abgeglichen werden.
7. Warum Hochverfügbarkeit und Backup zusammengehören
Hochverfügbarkeit und Datensicherung erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Ein hochverfügbares System kann bestimmte technische Störungen abfangen und damit Ausfallzeiten reduzieren.
Ein Backup ermöglicht dagegen die Wiederherstellung früherer Datenstände.
Eine Notfallwiederherstellung sorgt dafür, dass nach einem größeren Vorfall die benötigten Systeme wieder in Betrieb genommen werden können.
Für geschäftskritische Anwendungen kann eine Kombination dieser Maßnahmen sinnvoll sein.
Drei unterschiedliche Störungen
| Ereignis | Hochverfügbarkeit | Backup | Notfallwiederherstellung |
|---|---|---|---|
| Einzelne Serverhardware fällt aus | Kann den Ausfall abfangen oder verkürzen | Kann bei Bedarf eine Wiederherstellung ermöglichen | Je nach Umfang möglicherweise nicht erforderlich |
| Mitarbeiter löscht wichtige Daten | Verhindert die Löschung normalerweise nicht | Kann einen früheren Datenstand bereitstellen | Meist nur begrenzt erforderlich |
| Größerer Cyberangriff beschädigt Systeme und Daten | Kann ebenfalls betroffen sein | Geschützte, nutzbare Sicherungen können entscheidend sein | Geplanter Wiederanlauf der betroffenen Systeme erforderlich |
| Schwerwiegender Ausfall eines Rechenzentrums | Standortübergreifende Architektur kann helfen | Extern verfügbare Sicherungen können wichtig sein | Wiederanlauf an einem geeigneten Standort erforderlich |
Die Tabelle beschreibt mögliche Schutzwirkungen. Welche Maßnahmen tatsächlich greifen, hängt von der konkreten technischen Umsetzung ab.
8. Warum ein Rechenzentrum nicht automatisch alle Risiken beseitigt
Professionelle Rechenzentren können über umfangreiche Schutzmaßnahmen verfügen.
Dazu gehören beispielsweise Zutrittskontrollen, Brandschutz, geeignete Stromversorgung und redundante technische Komponenten.
Diese Maßnahmen können die Betriebssicherheit erheblich verbessern.
Sie ersetzen jedoch nicht die Absicherung der darauf betriebenen Anwendungen und Daten.
Auch in einem professionellen Rechenzentrum können Softwarefehler auftreten.
Benutzer können Daten versehentlich löschen.
Angreifer können versuchen, Zugriff auf Systeme zu erlangen.
Und technische Störungen können trotz sorgfältiger Planung nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Ein Rechenzentrumsanbieter kann deshalb bestimmte Verfügbarkeitsleistungen zusagen, ohne gleichzeitig die vollständige Wiederherstellung sämtlicher Kundendaten zu übernehmen.
Die Qualität des Rechenzentrums und die Qualität des Datensicherungskonzepts müssen getrennt bewertet werden.
9. Was bedeutet eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent?
Cloud-Anbieter verwenden häufig Prozentangaben, um die Verfügbarkeit ihrer Dienste zu beschreiben.
Auf den ersten Blick wirken Unterschiede zwischen 99 Prozent, 99,9 Prozent und 99,99 Prozent gering.
Über ein ganzes Jahr betrachtet können sie jedoch erhebliche Auswirkungen haben.
Die folgende Tabelle zeigt die rechnerisch zulässige Nichtverfügbarkeit bei durchgehender Betrachtung von 365 Tagen:
| Verfügbarkeit | Rechnerische Nichtverfügbarkeit pro Jahr |
|---|---|
| 99 % | ca. 3 Tage, 15 Stunden und 36 Minuten |
| 99,9 % | ca. 8 Stunden und 46 Minuten |
| 99,95 % | ca. 4 Stunden und 23 Minuten |
| 99,99 % | ca. 52 Minuten und 34 Sekunden |
Diese Werte sind reine Rechenbeispiele.
Sie bedeuten nicht, dass ein Anbieter exakt diese Ausfallzeiten verursacht oder garantiert, dass ein einzelner Ausfall eine bestimmte Dauer nicht überschreitet.
Außerdem ist entscheidend, wie die Verfügbarkeit vertraglich definiert wird.
Manche Vereinbarungen beziehen sich auf einen Kalendermonat, andere auf einen anderen Messzeitraum.
Auch Wartungsfenster, bestimmte Störungsursachen oder einzelne Komponenten können unterschiedlich behandelt werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die zugesagte Verfügbarkeit einer Cloud-Infrastruktur ist nicht automatisch identisch mit der tatsächlichen Erreichbarkeit einer Unternehmensanwendung.
Wenn beispielsweise die Internetverbindung des Unternehmens ausfällt, kann die Cloud-Plattform weiterhin vollständig verfügbar sein.
Für die Mitarbeiter ist die Anwendung trotzdem nicht erreichbar.
Geschäftsführer sollten deshalb nicht nur auf die Prozentzahl achten, sondern auf die konkrete Leistungsbeschreibung.
10. Wer ist für die Datensicherung verantwortlich?
Bei Cloud-Lösungen wird häufig angenommen, dass der Anbieter sämtliche Daten automatisch sichert.
Das ist nicht grundsätzlich der Fall.
Ein Cloud-Anbieter kann die technische Infrastruktur bereitstellen, ohne dass eine kundenspezifische Datensicherung Bestandteil des Grundangebots ist.
Backups können als zusätzliche Leistung angeboten werden.
Dabei unterscheiden sich beispielsweise Sicherungshäufigkeit, Aufbewahrungsdauer, Speicherort und Wiederherstellungsleistungen.
Auch die Verantwortung für die Einrichtung und Kontrolle der Datensicherung muss geklärt werden.
Ein IT-Dienstleister kann diese Aufgaben übernehmen, sofern sie vereinbart wurden.
Für Geschäftsführer ist deshalb entscheidend, dass es eine klare Antwort auf drei Fragen gibt:
Wer sichert unsere Daten? Wer überprüft die Sicherungen? Und wer stellt die Daten im Ernstfall wieder her?
Die Antworten sollten nicht erst nach einem Datenverlust gesucht werden.
11. Wie oft sollte eine Datensicherung durchgeführt werden?
Eine pauschale Antwort wäre wenig hilfreich.
Die erforderliche Sicherungshäufigkeit hängt davon ab, wie stark sich die Daten verändern und welche Folgen ein Verlust hätte.
Ein Unternehmen, das täglich nur wenige Dokumente erstellt, hat möglicherweise andere Anforderungen als ein Handelsunternehmen, das laufend Bestellungen, Lagerbewegungen und Rechnungen verarbeitet.
Bei einer Warenwirtschaft können bereits wenige Stunden Datenverlust erhebliche Nacharbeiten verursachen.
Bei anderen Anwendungen ist ein längerer Zeitraum möglicherweise akzeptabel.
Deshalb sollte nicht mit der Frage begonnen werden, wie häufig ein Anbieter Backups erstellen kann.
Die bessere Frage lautet:
Wie viel Datenverlust könnte unser Unternehmen im Ernstfall verkraften?
Aus der Antwort lässt sich ein geeignetes Wiederherstellungsziel ableiten.
Anschließend kann geprüft werden, welche Sicherungstechnik und welches Leistungspaket dafür erforderlich sind.
12. Warum Backups regelmäßig getestet werden sollten
Eine erfolgreiche Sicherungsmeldung ist ein gutes Zeichen.
Sie beweist jedoch nicht automatisch, dass eine vollständige Wiederherstellung im Ernstfall funktioniert.
Möglicherweise fehlen bestimmte Daten.
Vielleicht ist eine Datenbank nicht in einem konsistenten Zustand gesichert worden.
Oder die Wiederherstellung dauert wesentlich länger als erwartet.
Deshalb sollten Datensicherungen nicht nur erstellt und überwacht, sondern auch in angemessenen Abständen auf ihre Wiederherstellbarkeit geprüft werden.
Je nach System kann dies durch Testwiederherstellungen, technische Prüfverfahren oder umfassendere Notfallübungen erfolgen.
Bei besonders wichtigen Anwendungen sollte auch geprüft werden, ob die wiederhergestellten Systeme tatsächlich nutzbar sind.
Eine Datenbank, die technisch zurückgespielt wurde, ist noch nicht zwangsläufig eine vollständig funktionsfähige Warenwirtschaft.
Erst ein geeigneter Wiederherstellungstest schafft belastbare Erkenntnisse darüber, ob das Sicherungskonzept im Ernstfall funktioniert.
13. Drei Beispiele aus dem Unternehmensalltag
Beispiel 1: Ein Handelsunternehmen mit einer Warenwirtschaft
Ein Handelsunternehmen verarbeitet täglich zahlreiche Aufträge.
Die Warenwirtschaft ist für Einkauf, Lager und Versand unverzichtbar.
Ein längerer Ausfall würde erhebliche Betriebsunterbrechungen verursachen.
Hier kann eine hochverfügbare Serverumgebung sinnvoll sein.
Zusätzlich benötigt das Unternehmen jedoch ein geeignetes Datensicherungskonzept, damit beispielsweise nach einem Datenbankfehler ein nutzbarer Datenstand wiederhergestellt werden kann.
Auch die maximal akzeptable Ausfallzeit und der tolerierbare Datenverlust sollten festgelegt werden.
Beispiel 2: Ein Ingenieurbüro mit umfangreichen Projektdateien
Ein Ingenieurbüro arbeitet an großen technischen Zeichnungen und Projektdokumentationen.
Die Mitarbeiter speichern ihre Dateien auf einem zentralen System.
Eine versehentliche Löschung oder Beschädigung wichtiger Projektdateien kann erhebliche Nacharbeiten verursachen.
Hier ist besonders wichtig, dass frühere Dateistände zuverlässig wiederhergestellt werden können.
Eine hochverfügbare Serverplattform allein löst dieses Problem nicht.
Beispiel 3: Ein Dienstleistungsunternehmen mit Microsoft 365
Ein Unternehmen nutzt Microsoft 365 für E-Mail, Dokumente und Zusammenarbeit.
Die Dienste werden von Microsoft bereitgestellt.
Trotzdem muss das Unternehmen prüfen, welche Möglichkeiten zur Aufbewahrung und Wiederherstellung seiner Daten bestehen.
Je nach Anforderungen können zusätzliche Datensicherungsleistungen sinnvoll sein.
Auch hier gilt: Die Verfügbarkeit des Cloud-Dienstes und die Wiederherstellung bestimmter Daten sind unterschiedliche Themen.
14. Sieben Fragen, die Geschäftsführer stellen sollten
1. Welche unserer Systeme müssen besonders zuverlässig verfügbar sein?
Nicht jede Anwendung benötigt dieselbe Absicherung. Entscheidend sind die Auswirkungen eines Ausfalls auf die Geschäftsprozesse.
2. Gegen welche Ausfälle schützt unsere technische Infrastruktur?
Lassen Sie sich erklären, welche Komponenten redundant vorhanden sind und welche Störungsszenarien dadurch abgedeckt werden.
3. Welche Daten und Systeme werden tatsächlich gesichert?
Prüfen Sie, ob alle geschäftlich wichtigen Anwendungen, Datenbanken und Speicherorte berücksichtigt sind.
4. Wie weit dürfen unsere Daten im Ernstfall zurückliegen?
Definieren Sie gemeinsam mit Ihrem IT-Dienstleister ein angemessenes RPO-Ziel.
5. Wie schnell müssen unsere wichtigsten Systeme wieder funktionieren?
Legen Sie realistische RTO-Ziele fest und prüfen Sie, ob die gewählte Lösung diese unterstützen kann.
6. Wann wurde die Wiederherstellung zuletzt erfolgreich getestet?
Eine Sicherung sollte nicht nur vorhanden sein, sondern ihre Wiederherstellbarkeit sollte angemessen überprüft werden.
7. Wer übernimmt im Ernstfall die Wiederherstellung?
Klären Sie Zuständigkeiten, Servicezeiten, mögliche Zusatzkosten und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Dienstleistern.
Fazit: Verfügbarkeit verhindert nicht jeden Datenverlust
Hochverfügbarkeit, Datensicherung und Notfallwiederherstellung sind drei unterschiedliche Bestandteile einer zuverlässigen Unternehmens-IT.
Hochverfügbarkeit kann bestimmte technische Ausfälle abfangen.
Datensicherungen ermöglichen die Wiederherstellung früherer Datenstände.
Ein Notfallwiederherstellungskonzept beschreibt, wie wichtige Systeme und Geschäftsprozesse nach einem schwerwiegenden Vorfall wieder in Betrieb genommen werden können.
Keine dieser Maßnahmen ersetzt die anderen vollständig.
Für Geschäftsführer kommt es deshalb nicht darauf an, möglichst viele technische Sicherheitsbegriffe in einem Angebot wiederzufinden.
Entscheidend ist, dass die gewählten Maßnahmen zu den tatsächlichen Risiken und Anforderungen des Unternehmens passen.
Die wichtigste Frage lautet nicht nur: „Wie verhindern wir einen Ausfall?“ Sondern auch: „Wie schnell können wir weiterarbeiten, wenn trotzdem etwas passiert?“
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